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Rennbericht-2007-fms-v3-st.-stephan (23./ 24. Juni 2007)

Hallo Racingfans,

erstmals fuhren wir zu dem 'Flugplatz Rennen' – von dem wir schon so viel gehört hatten:

Ultraschnell, Extra breit, Fahrerlager komplett Asphaltiert, usw. usw.

Bei der Anreise hatte ich das Gefühl die Strecke müsse ganz oben auf einem Berg liegen – denn die Strasse hoch schien nicht enden zu wollen – aber die Atemberaubende Landschaft des Berner Oberland entschädigte für die Mühe und bot Kurzweile.

Im ersten freien Training musste ich noch etwas langsam machen (- Kolben Einfahren -) und bin noch nicht 'Maximum' gefahren – aber die Strecke hatte es in sich:

Gefühlsmässig 75 % Vollgas möglich... echte Highspeed - Passagen, grosse Kurvenradien, sehr flüssige Kurvenkombinationen / Schikanen, aber leider sehr kurzer Offroadteil (ca. 150 m, zu 1700 m Asphalt...).

Hier waren definitiv die 'Asphalträuber' im Vorteil...

Trotzdem machte ich mir keine grosse Sorgen, sitze ich doch auf einer der schnellsten Maschinen im Feld. Im zweiten (freien) Training wollte ich dann pushen (deutsch: ziehen) um die Abstimmung zu testen und gegebenenfalls zu optimieren – aber Ihr könnt euch denken, wenn ich schreibe 'wollte' das was dazwischen gekommen ist:

Bereits in der zweiten Runde wurde ich runter gerempelt – bitte nicht falsch verstehen - der 'Verursacher' handelte nicht mit Absicht - die Tatsache das zwei unterschiedliche Klassen zusammen fahren bringt auch die Tatsache mit sich, dass unterschiedliche Linien gefahren werden und so ist passiert, dass sich unsere Linien gekreuzt haben... Jedenfalls bin ich von der Maschine katapultiert worden und während des 'Fluges' rutschte die Maschine meines Kontrahenten unter mir durch und ich bin auf irgendwas sehr hartem aufgeschlagen – mit meinem Brustkorb, infolgedessen hatte ich erstmals Atemnot und konnte nicht gleich wieder aufstehen... Die Streckensicherung ordnete an das ich in der mobilen Klinik untersucht werden muss, ich wurde zu diesem grossen Anhänger mit allen möglichen medizinischen Geräten gebracht, obwohl die Diagnose 'nur' Toraxprellung (Brustkorbprellung) hiess, bestand der leitende Arzt darauf, dass ich 20 min. bleiben musste, ich fühlte mich wie auf der Intensivstation, ständig wurde Puls und Blutdruck gemessen, alle 2 -3 Minuten wurde ich vorne und hinten abgehört, sogar Ultraschall oder Sonografie wurde gemacht, der Arzt erklärte vor mir seinen Assistenten, dass er hier sogar operieren könne – gibt es doch sogar Reinluftbedingungen usw. - ich befürchtete schon er wetzt gleich sein Messer um die 'Vor-Ort-Möglichkeiten' zu zeigen...

Ich war echt froh wieder draussen zu sein – und siehe da: Erich Felder stand da und entschuldigte sich bei meinem Vater und mir – obwohl dieser Crash in die Kategorie 'Rennunfall' gehört. Erich erklärte aus seiner Sicht – ruhig und sachlich - denn mein Vater wirkte anfangs nicht gerade entspannt - nach zwei Minuten gab es dann 'Handshake' und jeder ging ohne Frust seines Weges...

Ich hatte den ganzen Nachmittag frei und genoss die lässige Atmosphäre auf dem Rennplatz, begrüsste ein paar deutsche - bereits am Freitag angereiste - Fans wie z .B. Michael Dichtl vom Rallye-Racing-Team und seine Kollegen und bereitete mich dann langsam vor auf das am frühen Abend stattfindende Zeittraining...

Doch offensichtlich sitzt bei manchen Familien der Frust und die Enttäuschung so tief, dass sie in den Pausen statt an der 'Performance' zu feilen lieber Pläne schmieden jüngere erfolgreichere Fahrer zu nötigen und versuchen zu behindern...

Mittendrin in diesen Intrigen (unter anderem) wieder mal Heidi Übigau die als wir (mein Dad und ich) in den Vorstart gekommen sind zu meinem Vater sagte: 'Wir haben dafür gesorgt, dass dein Junge hier nicht mehr fahren darf - und bald überhaupt nicht mehr in der Schweiz!'. Mein Vater ignorierte die ältere unfreundliche 'Dame' und sagte zu mir: 'Die hat hier überhaupt nichts zu sagen – lass dich nicht ablenken!.

Aber anscheinend haben 'Die' (Heidi Uebigau mit Ihren Verbündeten) wenige Minuten vor dem Zeittraining bei der Rennleitung interveniert und dabei nicht mit Übertreibungen gegeizt – worauf der Rennleiter anordnete ich dürfe vorerst nicht am Zeittraining teilnehmen – erst müssen die Vorwürfe die gegen mich erhoben worden sind entkräftet werden, von den Vorwürfen erfuhren wir natürlich erst im Vorstartraum ca. 1- 2 Minuten vor Beginn des Zeittrainings, hätten Sie sich Sorgen um mich gemacht (diesen Eindruck versuchten Sie bei der Rennleitung zu hinterlassen) hätten sie ihre Bedenken auch früher abgeben können – dann wäre ich nicht aus dem Vorstartraum geholt worden sondern ausgerufen worden!

Jetzt half alles Reden nicht mehr, mein Vater sprintete zum Rennleiter, der verwies ihn an den leitenden Arzt – dann dorthin – war uns ja von gestern bekannt, der Doc wusste sofort um was es ging und klärte mein Vater auf:

Bei den Vorwürfen müsse er erst mich (Marc-R.) untersuchen um eine Freigabe zu erteilen, also kam mein Vater wieder zurück zu mir und erklärte mir den kürzesten Weg vom Vorstartraum zum Rennarzt, ich zog den Helm und Handschuhe aus und rannte zum Doktor, dort entledigte ich mich noch meines massgeschneiderten blau-schwarzen Lederanzuges... und wurde untersucht, natürlich war ich OK und der Rennarzt gab mir eine Startfreigabe! Also, rein ins Leder, wieder Sprint übers Gelände dort den Rest der Schutzausrüstung wieder anlegen und ab die Post...

Beim Reinfahren in die Strecke sah ich die laufende Uhr, die bereits unter 5 Minuten Restzeit gelaufen war – jetzt könnte es knapp werden, denn ich muss mindestens 3 Runden schaffen und habe jetzt mit kalten Reifen und noch fast keinen Runden auf dieser Bahn nicht wirklich optimale Voraussetzungen...

Nach zwei Eingewöhnungsrunden in denen ich die Reifen auf Arbeitstemperatur gebracht habe wurde ich schneller, ging aber nicht ans Limit um die erforderliche Rundenzahl zu erreichen – und wurde Zweiter der 85'er, aber 'nur' 24 Position insgesamt – wäre nicht dieses Theater gewesen hätte ich wohl Platz 13 – 15 erreicht. Marcel Baumgartner war nun unter diesen Umständen bestplatzierter 85'er auf Position 19 (Gesamt).

Der Vollständigkeit halber möchte ich hier erwähnen, dass ca. eine Stunde nach Veranstaltungsende am Samstagabend der Rennleiter, Personen der Arbeitsgruppe sowie der Arzt mit einem Teil seiner Mannschaft bei uns vorbeigekommen sind und sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt haben – aber wenn der Anschein erweckt würde, dass ein junger Fahrer verletzt ins Geschehen geschickt wird, muss eingegriffen werden, denn hier gilt 'Safety first' – also die Sicherheit an erster Stelle!

Allerdings war es das erste mal, dass 'Besorgnis' vorgegaukelt wird um einem Fahrer zu schädigen – so konnte es passieren wie es eben hier geschehen ist! Mein Vater wurde gefragt, ob er einen Gegenprotest einlegen wolle – aber wir verzichteten, denn wir bevorzugen den Fight auf der Strecke und nicht am grünen Tisch oder mit Protesten...

Mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen – ausser vielleicht, dass eine frustrierte Person die sich beim Festwirtschaftsbetrieb etwas Mut angetrunken hatte und versuchte, unser Zelt zu beschädigen...

Am Sonntag Morgen im Warm Up fuhr ich lässig über zwei Sekunden schneller wie im Zeittraining – obwohl es morgens noch sehr frisch war, fast alle anderen waren etwas langsamer als im Zeittraining!

Mir war klar, wenn ich hier einen guten Rhythmus finde und die zwischen uns (Marcel und mir) liegenden Piloten schnappe, könnte ich hier trotz des schlechten Startplatzes siegen...

Am Start zum ersten Lauf kam ich gut weg, aber ein 250'er Fahrer aus der Reihe vor mir kam in der ersten Schikane zu Fall, ein paar Kollegen und ich mussten aussen herum über die Wiese ausweichen, Schwung für die längste Gerade weg – und gleich noch grösserer Abstand, Mist, so habe ich mir das nicht vorgestellt!

Aber ich gebe nicht auf, auch wenn ich nach der ersten Runde schon mehr als 7,5 Sekunden Rückstand auf Marcel 'Baumi' hatte und noch Überholmanöver vor mir, gegen die Jungs auf Ihren grossen Maschinen, die dann auf der langen Geraden einfach wieder an mir vorbeigehen... Ihr kennt mich und wisst hoffentlich, dass ich im Rennen dann weiss, was zu tun ist – und ich tat es! In der achten Runde war ich dran, in der neunten schnappte ich ihn problemlos, bin dann aber nicht mehr voll gefahren. Um ihm nichts zu zeigen, konzentrierte ich mich auf das Tempo, welches für den Klassensieg reicht, im gesamten Platz 17 – versöhnlich nach diesem Zeittraining, aber eigentlich nicht gut genug für mich (meine bislang schlechteste Zielankunft).

Mein 'Gegner' war so enttäuscht, dass er mir nicht gratulierten wollte oder konnte...

Auf dem Rückweg bekam ich reichlich Applaus für meine Aufholjagd, sogar Prestigefahrer klatschten mich ab...

In der Pause bis zum zweiten Lauf liess ich mir einen anderen Hinterreifen aufziehen, andere Veränderungen benötigte ich keine und wartete geduldig bis zum Race Zwei.

Beim Start zum zweiten Lauf gab es keine Sturz vor mir aber gerempelt wurde schon...

Jedenfalls musste ich nicht übers Grüne fahren und konnte schnell zum Mittelfeld der Youngsterkategorie aufschliessen und war bereits in der dritten Runde hinter Marcel, im vierten Umlauf war ich an seinem Hinterrad und hätte ihn eigentlich aufgeschnupft - bekam aber über meine Boxentafel 'P2 – OK' angezeigt! Warum soll ich nicht überholen? Mein Vater sagte in der Pause auch zu mir, es ist nicht notwendig unbedingt zu gewinnen, da bei dieser Strecke überholen der 'Grossen' mit viel Risiko verbunden wäre und da ich im ersten Lauf gesiegt habe, würde es auch reichen gegebenen Falls Zweiter zu werden – damit würde ich locker die Meisterschaftsführung behalten...

In der Schikane Richtung Boxenstrasse hatte ich beim Rausbeschleunigen einen Rutscher, jetzt zeigt mir mein Vater wieder dieses Schild, fuchtelte wild mit den Armen und zeigte unter anderem 'langsamer' an – jetzt fing ich an zu überlegen- irgendwas will er mir mitteilen... In der Rechtskurve nach Start-Ziel hatte ich wieder ein Quersteher, obwohl ich eigentlich nicht besonders hart am Gas war, in der Links in Richtung lange Gerade war es wieder gut...Was kann das sein? Ich nahm etwas Tempo zurück, war aber immer noch in Sichtweite von Marcel und wollte eigentlich gewinnen, aber ich musste mir eingestehen, dass es ein Problem speziell in Rechtskurven gibt – die hier allerdings weniger sind als links...Also signalisierte ich bei der nächsten Vorbeifahrt an der Box, ich werde langsamer machen... - dies nahm mein Vater applaudierend zur Kenntnis und zeigte mir an, ich solle mich nach hinten orientieren – dies ist eigentlich nicht die Art, wie ich Rennen fahre, aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel! Ich lies wieder zwei der 'Big Boys' durch, der eine schaute mich mit grossen Augen an und schüttelte den Kopf, denn ich zeigte ihnen per Handzeichen an, dass sie überholen sollen! In den Linkskurven bin ich weiterhin noch flott gefahren, rechtsherum aber nur noch im Schiebebetrieb... Mir dämmerte, dass es eigentlich der Hinterreifen sein muss, denn auf den langen Geraden spürte ich leichte Vibrationen...Ins Ziel bin ich dann noch als Zweiter meiner Kategorie gekommen, Dritter wurde Sandro Staub (Honda) – er sicherte sich damit auch diesen Platz auf dem Podium.

Bei der Siegerehrung, direkt nach dem Lauf, ging ich zu meinen Kollegen und gratulierte beiden – um ihnen zu zeigen was 'Fairplay' bedeutet...

Natürlich will ich euch nicht verheimlichen was los war: In der Lauffläche, meines bis dahin nichtgefahrenen Hinterreifens, wurden zwei Schnitte gefunden, die beide sehr ähnlich aussahen und beide auch bei ca. 2/3 der Maximalschräglage und gut 50 cm voneinander entfernt waren, diese 'Beschädigungen' waren die Ursache für ein beginnendes Ablösen der Lauffläche (= Profil) – mein Vater bemerkte bereits nach dem ersten Drittel des Rennen, dass an meinem Reifen etwas absteht und versuchte mich zu warnen...

Bei der späteren Analyse im Labor eines renommierten Institut kam man zum Ergebnis, dass der gleiche Gegenstand zweimal jeweils im nahezu gleichen Winkel und beides mal unten im Profilblock beginnend eingedrungen war... Der Gegenstand war metallisch, ca. 2 mm dick, flache Ausführung und bei der maximalen Eindringtiefe ca. 12 mm breit. Anhand des Einstichkanals muss davon ausgegangen werden, dass die Spitze 'scharf' geschliffen war und ein mittlerer bis grosser Kraftaufwand dafür notwendig ist...

Bildet euch selbst ein Urteil was ihr davon haltet... - wir werden jedenfalls die Konsequenzen daraus ziehen.

Hier noch mein Fazit zum Rennen:

Obwohl ich im Gegensatz zu meinen Kontrahenten ohne Streckenkenntnisse angereist bin und in den freien Trainings nicht wirklich zum Fahren gekommen bin, trotz nicht gerechtfertigten Unterstellungen / usw. usw.

  • habe ich mit dem Sieg im ersten Lauf und dem zweiten Platz im zweiten Rennen, trotz des 'Problems / Manipulationsversuche', meinen Meisterschaftsführung mit 15 Punkten Vorsprung gehalten...
  • die Gegner von mir benötigen nicht einfach nur Glück, sondern auch noch Pech (bzw. Nachhilfe?) bei uns, um vor mir ins Ziel zu kommen...
  • aber wenigstens gab es dieses mal auf der Strecke mit Keny Übigau keine unangenehmen Zwischenfälle – nach den Ereignissen vom SAM-Rennen in Eschenbach die sogar ein Keny-Spezial-Bericht erforderten - muss ich ihm hier mal zugestehen sich hier korrekt verhalten zu haben, Danke Keny!

Ich freue mich auf die nächsten Rennen!!!

Habt Spass, bleibt fair und gebt immer euer bestes,

es grüsst euch der Marc-Reiner Schmidt,

#6 Rider Swiss Championship
Leader Kategorie Youngster 85

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